Rauchen oder nicht rauchen, das ist hier die Frage

Ein Thema, dass die Gemüter erhitzt: Die geplante Aufhebung des Nichtraucherschutzes durch die türkis-blaue Regierung. Wird in Österreichs Lokalen weiter gequalmt, sind die möglichen Folgen für die Gäste klar: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenkrebs und chronische Lungenerkrankungen. Viele Wirte rechnen aber auch mit einem kräftigen Minus bei den Einnahmen wenn die Raucher in Zukunft draußen bleiben müssen. Ein Blick nach Deutschland zeigt, wie es gehen könnte: Seit 2010 darf in bayrischen Lokalen nicht mehr gepafft werden, die Folgen für die Wirte sind aber weniger dramatisch als erwartet. Die Pleitewelle ist ausgeblieben. Zwar gab es anfangs das Umsatzminus wie befürchtet, im Jahr darauf stiegen die Einnahmen aber wieder kräftig an. Mittlerweile rollt der Rubel wieder, sowohl in der Speise- als auch in der Getränkegastronomie. Das gilt zumindest für die Großen in der Branche. Anders sieht es bei kleinen Kneipen aus, wo viele Gäste allein wegen des Rauchens kommen. Hier gilt dafür die Ausnahme: Damit die kleinen Eckkneipen nicht verschwinden hat etwa der niedersächsische Gesetzgeber Einrichtungen mit einer Größe von weniger als 75 Quadratmetern vom Rauchverbot ausgenommen. Zum Schutz gilt Weiters: Zutritt nur ab 18 Jahren und zum Essen gibt es nichts. Auch in New York hat das Rauchverbot am Arbeitsplatz nicht zum Zusammenbruch geführt. Als es in Restaurants und Bars eingeführt wurde, ist seither die Anzahl der Beschäftigten im Gastronomiebereich sogar gestiegen und die New Yorker geben jetzt mehr Geld bei Restaurantbesuchen aus. Ähnlich ist auch die Situation in Italien, wo seit 2005 ein absolutes Rauchverbot in den Lokalen herrscht.

 

Wichtig ist der Nichtraucherschutz vor allem für die Angestellten an der Front: Nichtraucher und Kellner kriegen den Qualm mit voller Stärke in die Lunge. Für die Angestellten ist es eine Zumutung im Nebel zu arbeiten. Gefahrenzulage gibt es keine, obwohl Bedarf da wäre. Außerdem hilft auch die bisherige Trennung in Raucher- und Nichtraucherbereich wenig. „Die Lüftungssysteme müssten Sturmstärke haben um die Feinstaubpartikel mitzunehmen“, weiß Lungenspezialist Otto Burghuber vom Otto-Wagner Spital. Studien geben ihm recht: Unter den 80.000 Menschen, die in der EU jährlich an den Folgen des Tabakkonsums sterben, sind fast 20.000 Nichtraucher. „Raucher- oder Nichtraucherzonen bringen gar nichts“, urteilt Burghuber.

 

Auch Sternbräu-Wirt Harald Kratzer kann der Trennung in Raucher- und Nichtraucher wenig abgewinnen: „Ich glaube, dass sich die Mehrheit der Gastronomen schon auf das endgültige Rauchverbot eingestellt hatte. Und dass die Wirte froh darüber gewesen wären, wenn die unsägliche derzeitige Regelung endlich zu Ende gegangen wäre.“ Das Sternbräu ist schon seit Jahren rauchfrei, das von Kratzer betriebene Gablerbräu wurde vor zwei Jahren rauchfrei. „99 Prozent meiner Gäste, auch Raucher, begrüßen ein rauchfreies Lokal.“

 

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