Nicht links, nicht rechts: Van der Bellen

Ab 1. Mai 2018 wird das Rauchen in österreichischen Lokalen endgültig Geschichte sein. Passivraucher werden erlöst von den Rauchschwaden im Gasthaus, tränende Augen an der Bar gehören dann der Vergangenheit an.

Bleibt die Frage – gilt das auch für die Hofburg?

Denn dort wird ab 24. April 2016 wieder gepafft. Zumindest wenn es nach den aktuellen Umfragen geht: Alexander van der Bellen, offiziell unabhängig und inoffiziell von den Grünen abhängig, führt mit großem Vorsprung die Liste der Kandidaten an. Etwas weiter hinter ihm liegt die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss.

Endlich haben die Grünen jemanden gefunden, der wirklich eine Chance hat Bundespräsident zu werden. Nur ist er auch kein echter Grüner. Er setzt sich zum Beispiel öffentlich für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP ein, da steigen den eingefleischten Grünen und Grüninnen schon die Grausbirnen auf. Die Jungen Grünen fanden es auch nicht gerade lustig, dass Van der Bellen kandidiert. Zu „neoliberal“ ist er, und sie haben ihn bereits als den „idealen Kandidaten für Raiffeisen und Co.“ gelabelt.

Klar, Van der Bellen wirkt sympathisch und irgendwie allwissend, aber ganz unrecht haben die Jungen Grünen nicht. Van der Bellens politische Positionen sind nämlich wirklich schwer durchschaubar. Das einzige Grüne an ihm scheint sein Eintreten für den Naturschutz zu sein. Das wars aber auch schon wieder.

Ansonsten sind seine Positionen, gerade was Wirtschaft betrifft, eher rechts der Mitte. Er versteht sich ja auch selbst als „Liberaler“, gegen Verstaatlichungen und für möglichst viel Freihandel und Privateigentum. Seine wirtschaftlichen Ansichten sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was in der Grünen Partei normalerweise vertreten wird. Von Studiengebühren hält Van der Bellen auch viel, er kann sich durchaus vorstellen sie wieder einzuführen. Auch von seinem Auftreten her wirkt er sehr konservativ, immer mit Anzug und Krawatte, dass sieht man nicht oft bei den Grünen. Van der Bellen könnte genau so gut bei den NEOS sein, oder noch besser, im liberalen Flügel der ÖVP.

Genau das macht Van der Bellen aber zum wahrscheinlichsten Kandidaten. Irgendwie schafft er es, alle politischen Meinungen unter einen Hut zu bringen. Er wirkt wie die Vernunft in Person.  Noch nie hat er gehetzt oder irgendetwas Unpassendes gesagt. Dass er in seinem Wahlvideo auch eine Zeile der Bundeshymne einbaut, macht ihn auch für den Mainstream wählbar. Nachdem Pröll nicht kandidiert, sind seine Chancen die besten. Für alle Konservativen, denen Kohl zu kirchlich und streng ist, stellt Van der Bellen eine Alternative dar.

Ein bisschen links, ein bisschen rechts, und alles so, dass jeder zufrieden ist. Bleibt die Frage, ob er das auch als Präsident durchziehen kann. Ziemlich wahrscheinlich müsste er sich nämlich mit einem Kanzler Strache herumschlagen. Das findet er „derzeit schwer vorstellbar„, aber was heißt das? Ja oder Nein? Da müsste er klar Position beziehen. Und zwar zwischen einem von der Mehrheit gewählten Kanzler und seinen eigenen Überzeugungen.