Und wieder ein blaues Auge…

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Die Wahl am Sonntag ging wenig überraschend aus. Durch die mediale Dauerpräsenz des Flüchtlingsthemas in den letzten Wochen war klar, dass sich die weniger weltoffenen Menschen der FPÖ zuwenden. Und Die hat auch den größten Sieg zu verbuchen. 15 % mehr als 2009. Die ÖVP hat 10,5 % verloren, kann aber den ersten Platz behaupten. Die SPÖ verlor 6,6 %, die Grünen konnten sich um magere 1,2 % steigern. NEOS kam mit 3,5 % nicht einmal in den Landtag.

Mit diesem Ergebnis ist die FPÖ jetzt zweiter in Oberösterreich und so wie’s aussieht drängt die Industrie schon auf Schwarz-Blau. Die Industriellenvereinigung stellt sich offen hinter diese Koalition. Josef Pühringer, seit 20 Jahren Landeshauptmann, schliesst das auch gar nicht aus. Der Möglichkeit Schwarz-Grün-Rot erteilt er aber eine klare Absage.

Damit ist das Schwarz-Grüne Projekt in Oberösterreich vorbei. Vor 12 Jahren wurde hier zum ersten Mal in Österreich eine Koalition zwischen ÖVP und Grünen geschlossen. Auch in Tirol, Vorarlberg und in Salzburg sitzen Grün und Schwarz in einer Regierung. Im Land ober der Enns ist das jetzt Geschichte. Es geht sich keine Mehrheit mehr aus. Möglich ist eine große Koalition, wahrscheinlich wird es Schwarz-Blau.

Der Grund dafür ist schnell ausgemacht: Das Flüchtlingsthema, ordentlich gepusht von den Boulevardmedien. Die FPÖ profitiert davon wie Niemand sonst. Die Blauen sprechen das Thema als einzige wirklich an, es gibt keine ernst zu nehmende Gegenstimme. Die anderen Parteien kehren die Probleme einfach unter den Tisch. Sie nehmen die Sorgen und die Ängste der Bevölkerung nicht ernst und spielen so der FPÖ zu. Die Menschen fühlen sich von der Regierung vernachlässigt, nach dem Motto: „Die da oben machen eh was sie wollen.“

So kann sich Strache als Stimme des einfachen Mannes inszenieren, weil Grün, Schwarz und Rot sich zu fein sind mit dem „Volk“ zu sprechen.

Die oberlehrerhafte Art, die gerade die Grünen oft und gerne an den Tag legen, geht völlig an den Bedürfnissen der meisten Menschen vorbei. Auch die großen Parteien geben sich wenig Mühe, mit den „Menschen auf der Straße“ zu reden. Lieber schon nichtssagenden Plakate aufhängen mit den ewig gleichen Slogans: „Anstand, Hausverstand, Zusammenhalt. Weil es um Oberösterreich geht.“ (ÖVP). Die Plakate der FPÖ sprechen eine deutlichere Sprache: „Damit wir uns richtig verstehen: Ohne Deutsch keine Wohnung.“

Die Blauen sind Populisten. Sogar Stefan Petzner gibt in seinem neuen Buch zu, dass sie unfähig sind zu regieren. So schnell es bei der FPÖ bergauf geht, so schnell kracht das Ganze auch wieder zusammen. Jörg Haider ging 1999 mit 27% in die Regierung und erlangte bei der Neuwahl 2002 nur mehr schlappe 10%. Der größte Absturz der zweiten Republik. Doch das Konzept bleibt gleich: Populisten betreiben billige Stimmenmaximierung, indem sie sich volksnah geben. Die Leute fühlen sich ernst genommen. Dass von den anderen Parteien Niemand mit den Menschen auf gleicher Höhe reden kann, ist der eigentliche Grund für den Siegeszug der FPÖ.

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http://orf.at/static/images/site/news/20150939/oberoesterreich_wahl_ergebnis_pure_a.4644742.jpg. Aufruf am 30.09.2015