Das einfache Weltbild

In Österreich ist man ja von Politikern so einiges gewöhnt, aber das Niveau von Donald Trump? Unerreicht.

Wer sich einmal eine Debatte mit ihm angesehen hat, weiß was ich meine. Er dominiert die Diskussion mit seinen Beschimpfungen und spontanen Wutausbrüchen, alle Augen sind auf ihn gerichtet. Er beleidigt die Moderatorin, nachdem er freilich allen Einwanderern kollektiv unterstellt hat, sie wären Vergewaltiger und Drogendealer. Ein klares Konzept hat er nicht – auf seiner offiziellen Homepage findet man nur eine einzige Stellungnahme zu Immigranten. Und dennoch führt er regelmäßig in den Umfragen bei den Republikanern.

Dabei ist Trump nur einer von vielen, die bei den Republikanern um die Präsidentschaft kämpfen. In den U.S.A. finden die Vorwahlkämpfe  zuerst innerhalb der zwei großen Parteien statt, die Gewinner treten dann im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gegeneinander an. Geht man nach den neuesten Umfragen, führt Trump bei den Republikanern, während Hillary Clinton keine ernsthaften Konkurrenten aus den eigenen Reihen zu fürchten braucht. An zweiter Stelle nach Trump folgt Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida und der Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush. Der kann derzeit immerhin auf 10.7 % innerhalb der Republikanischen Partei hoffen – nichts gegen Trumps 22 %.

Trumps Rezept ist einfach. Das Großmaul legt sich einfach mit jedem an. Konservative Amerikaner jubeln, wenn Trump gegen das „Establishment“ hetzt. Die Rechten freuen sich, wenn Trump der politischen Korrektheit den Krieg erklärt. Teilweise ist das ja verständlich. Aber muss er deshalb einer Journalistin unterstellen, dass „ihr Blut aus den Augen herauskam und wohl auch anderswo“? Gemäßigte Kritik an Migranten ist ja nachvollziehbar – aber ist das überhaupt noch Kritik, wenn man Mexikanern kollektiv zuschreibt, sie brächten „Vergewaltigung, Drogen und Kriminalität“?

You´re fired“. Trumps Lieblingsspruch in seiner mittlerweile abgesetzten Sendung the apprentice, bei der er 250.000-$ Jobs für die Besten verloste. In der Geschäftswelt ist er daheim, da hatte er seine großen Erfolge. Und ähnlich wie Stronach glaubt er jetzt, die Politik funktioniere genauso. In den TV-Diskussionen setzt er auf Durchsetzungskraft, motzt die Moderatoren an, fällt anderen ins Wort und gibt unverblümt mit seinen Erfolgen an.

Seine TV-Auftritte bringen stets Rekordeinnahmen, aber sicher kein Bildungserlebnis. In Donald Trumps Welt ist alles ganz einfach geregelt. Es gibt die Guten und die Bösen, Amerika jedenfalls zählt zu den Guten. Die Iraner nicht. Und die Iraker schon gar nicht. Trump möchte nämlich, dass der Irak die Kosten für seine „Befreiung“ trägt, also den Irakkrieg nachträglich finanzieren soll. Ansonsten halten sich seine außenpolitischen Ideen stark in Grenzen.

Doch Trump ist überhaupt nicht verhasst. Seine verbalen Entgleisungen haben ihm nicht geschadet, er klettert auf der Skala der Beliebtheitswerte immer weiter nach oben.

Die simplen Antworten und die brutalen Sprüche spiegeln die Sehnsucht der Amerikaner nach einer überschaubaren und einfachen Welt wieder. Wer hat die nicht? Aber die Zeit hat sich geändert, wir befinden uns in einem weltbewegenden Prozess, der sich Globalisierung nennt und die alten Sicherheiten schmelzen dahin. Einfache Lösungen sind keine Lösungen mehr. Keine Regierung der Welt kann das ändern. Aber auch die Österreicher driften immer mehr Richtung Populismus, Richtung „starker Mann, der die Probleme löst, indem er auf den Tisch haut“.

Traurig, aber wahr.